Historisches

Geschichtliches und Kulturelles

Zu Pfingsten (30. Mai bis 01. Junii 2009) steht Eppan an der Südtiroler Weinstrasse wieder im Zeichen der mittelalterlichen Reitkunst. Zum 11. Mal wird in der malerischen Schlösserlandschaft zwischen Sigmundskron und Hocheppan, Weinbergen und historischen Dörfern, der Internationale Eppaner Burgenritt ausgetragen werden. Das Organisationskomitee, bestehend aus Vertretern des Tourismusverein Eppan-Raiffeisen, der Reitverbände des Überetschs sowie der Vereinigung der Freizeitreiter Südtirols, arbeitet bereits fleißig an der Neuausrichtung des “Internationalen Eppaner Burgenrittes”. Das Publikum kann sich bereits auf 8 spannende Reitturniere sowie 4 abwechslungsreiche Pflichtdurchgänge freuen. Auch das gastronomische Angebot kann sich wieder sehen lassen: etliche Eppaner Vereine und Verbände werden sich mit heimischen Schmankerln um das leibliche Wohl der vielen Besucher kümmern. An weiteren und neuen speziellen Highlights des Rahmenprogramms wird zurzeit schon gearbeitet. Man darf also gespannt sein.

1. Etappe – Sonntag, 31. Mai 2009
Der Start erfolgt in Frangart, am Fuße der gewaltigen, alles beherrschenden Anlage des Schlosses Sigmundskron, welches um 945 als Burg “Formigar” erstmals erwähnt wird und 200 Jahre später Verwaltungssitz der Trienter Bischöfe in der Grafschaft Bozen, und seit dem 14. Jhd. ständiges Lehen der Grafen Firmian wurde. Die alte Wehranlage wird Ende des 15. Jhd. vom Tiroler Landesfürsten Sigmund dem Münzreichen gekauft und umgebaut.
Nächste Station ist das Weindorf Girlan, wo der “Kellerritt” abgehalten wird, ein Reitturnier, bei welchem sich alles um den Wein und die traditionsreiche Weinkultur dreht. Von dort führt der Reitparcours weiter nach Schreckbichl, um die Richtung zum Montiggler See einzuschlagen. Am Kleinen Montiggler See erwartet die Turnierteilnehmer ein Pflichtdurchgang, am Grossen Montiggler See das spektakuläre “Fischestechen”. Auf einer waldigen Anhöhe südlich vom See, liegt der bis heute rätselhafte Jobenbühel. Eine dort angelegte Megalith-Linie hat man als prähistorische Sonnenortungsstätte (wie z. B. im engl. Stonehenge) gedeutet. Im nördlichen Montigglerwald befindet sich der sog. Wildemannbühel, wo Reste einer Wallburg auszumachen sind und eine bronzezeitliche Besiedlung nachgewiesen ist. Am Reitplatz des Überetscher Reitvereines wird reiterisches Können von den Teilnehmern abverlangt – der “Bierfassl-Ritt” gehört sicherlich zu den schönsten Turnieren des Internationalen Eppaner Burgenrittes. Nach dieser Prüfung wartet auf die Reiter ein Pflichtdurchgang beim Ansitz Kreithof. Von dort geht es weiter zum Reitplatz Georgsturm des Haflingerzuchtverbandes. Das Turnier am Reitplatz Georgsturm in Oberplanitzing lehnt sich an eine historische Begebenheit an und nennt sich “Überfall auf den Gesandten des Papstes”: Für die Turnierteilnehmer gilt es, einen feindlichen Ritter mit der Lanze zu besiegen. Erst dann öffnet sich das Schlosstor. Auf der wackeligen Schlossbrücke tauscht der Reiter die Lanze mit einem Schwert und raubt damit dem Gesandten einen mit Gold gefüllten Ledersack. Mit dem Beutel am Schwert geht es weiter zum Grafen von Hocheppan, der die Beute in Empfang nimmt. Der Abschluss der ersten Etappe findet hier statt, die ersten Prämierungen sowie ein feuriges Etappenfest laden Turnierteilnehmer, Gäste und Besucher zum Ausklingen der ersten Etappe ein.

2. Etappe – Montag, 01. Juni 2009
Nach dem Start am Reitplatz Georgsturm geht es quer durch ein Waldstück, vorbei am Ansitz Stroblhof, hin zum ersten Pflichtdurchgang bei Schloss Englar. Bereits am Weg dorthin grüßt Schloß Englar mit seiner hohen Fassade und dem steilen Walmdach herunter. Zuerst in der Hand der Herren von Firmian und seit dem frühen 17. Jhd. ebenfalls im Besitz der Familie Khuen bis zum heutigen Tag. Vor 112 Jahren – im April 1897 – residierte hier der große Lyriker Rainer Maria Rilke aus Prag und verfaßte auch ein Gedicht über Schloß Englar. Etwas abseits liegt das zum Adelssitz gehörige Sebastianskirchlein, wo das Turnier “Apfelschuss” ausgetragen wird. Hier dreht sich alles um den Apfel Marlene: Der Reiter erhält Bogen und Köcher mit drei Pfeilen und schießt dann aus 10m Entfernung auf einen großen Apfel mit Zielringen, für die Punktewertung.

Unterhalb des Weilers Moos-Schulthaus führt der Eppaner Burgenritt weiter, eingebettet in eine schmucke Reblandschaft, unterhalb des Schlosses und Ansitzes Moos. Schloß Moos, eine alte “Dorfburg” ist eigentlich ein mittelalterlicher Wohnturm, um 1250 errichtet und heute ein Museum für mittelalterliche Wohnkultur. An der Gleifkirche auf dem Gleifhhügel oberhalb St. Michael angekommen, eröffnet sich eine einzigartige Aussicht auf das Überetsch und die Bozner Umgebung. Hier gilt es für die Reiter wieder eine spannende Pflichtprüfung zu bewältigen. Die Gletscherschliffe und Gletschertöpfe, die dort zu finden sind, gelten als Naturdenkmäler – sie lassen die abschürfende Wirkung des ehemaligen Etschgletschers deutlich erkennen. Über den Turmbachweg geht es weiter vorbei an Schloss Freudenstein. Die dominierende Anlage Schloss Freudensteins soll bereits im 12. Jhd. in den Händen von Ministerialen der Grafen von Eppan gewesen sein. Sie kam dann in den Besitz der Herren von Fuchs. Zwei zinnenbewehrte Wohntürme werden durch einen Mitteltrakt verbunden. Zum ältesten Teil gehört die freistehende St. Andreaskirche. Im Südtrakt finden sich gotisierende Elemente. Die Anlage ist von einer weitausladenden Ringmauer umschlossen. Der Ritt wird fortgesetzt durch die Fraktion Berg in Richtung Kreuzstein, wo bereits die nächste Pflichtprüfung auf die wackeren Turnierteilnehmer wartet. Beim Kronhof , einem Ansitz aus dem frühen 17. Jhd. vorbei, führt ein Pfad in waldiges Gelände, um nach einer längeren Tour die imposante Schloßanlage von Boymont zu erreichen. Diese im Rechteck um 1235 angelegte hochmittelalterliche Wohnburg weist keinen Verteidigungscharakter auf. Es sind zwei Bergfriede vorhanden und ein dreigeschossiger Palas. Spitzbogige, frühgotische Triforienfenster mit eleganten Säulchen samt Knospenkapitellen, geben dem Bau ein besonderes Gepräge, so, als ob sich diese bei den Herrschaftshäusern im Überetscher Stil in den Doppelbogenfenstern wiederholten. Vor der stimmungsvollen Kulisse Boymonts befindet sich der Turnierplatz “Kampf in der Quintana”. Dies ist das traditionellste unter den mittelalterlichen Reitturnieren: Es gilt, auf drei Routen drei Holzritter mit der Lanze zu besiegen. Schnelligkeit, Treffsicherheit und Sattelfestigkeit sind gefragt.

Eine Schlucht trennt das Gelände um Boymont vom Schloß Hocheppan. Wenn die Reiter diese trutzige Burg erreicht haben, sind sie in mehrfacher Weise auf dem Höhepunkt angelangt. Nicht so sehr im baulich-architektonischen Sinn, als vielmehr im politischen. Diese geschichtsträchtige Wehranlage erscheint von Südosten her wie eine uneinnehmbare Festung – ein Adlerhorst. Hocheppan hat Ulrich III. von Eppan nach 1200 erbaut. Dominierend und ungewöhnlich ist der hohe, fünfeckige Burgfried. Südlich liegt die Ruine des Palas, gegenüber ein turmartiger Nebentrakt, ein Wohnbau, und eine um Jahrzehnte früher entstandene Burgkapelle, deren Fresken mit biblischen Motiven überregionale Bedeutung haben. Die ersten Insassen dieser Burg, die Grafen von Eppan, sind ein Kapitel für sich. Sie waren neben den Tirolern die mächtigsten weltlichen Herren unseres Landes. Ein streitbares Geschlecht, das sich mit den Grafen von Tirol bzw. Vinschgau mehrfach angelegt hatte, besonders intensiv um 1150. In den Auseinandersetzungen beider Familien ging es in erster Linie um die Grafschaft Bozen. Aber nicht genug damit: Die Brüder Friedrich und Heinrich von Eppan überfielen eines Tages zwei Kardinäle, päpstliche Legaten zum deutschen Reichstag, samt den sie begleitenden Trienter Bischof Adelpret. Erstere raubten sie aus, und den Bischof setzten sie auf Schloß Reinegg oberhalb Sarnthein in Gefangenschaft. Der bayerische Herzog Heinrich der Löwe hörte davon und schritt energisch ein, bestrafte die Eppaner und stellte das Recht wieder her. Das bedeutsame Geschlecht der Grafen von Eppan, die im Guten wie im Bösen ein Stück Tiroler Geschichte geschrieben haben, hätten das Land im Gebirge – wie Tirol damals noch hieß – beinahe gänzlich beherrscht und nach ihrem Namen getauft. Hier, vor dieser geschichtsträchtigen Schlossanlage, findet das Turnier “Goldenes Kegelspiel” statt. Das sagenumwobene Goldene Kegelspiel wird anlässlich des Eppaner Burgenritts aus seinem wohlbehüteten Versteck geholt. Von nun an führt der Burgenritt talwärts in Richtung dem historischen Weindorf St. Pauls, wo vor seinem majestätischen Glockenturm das letzte Turnierspiel erreicht wird. Beim “Fahnenritt” in St. Pauls gilt es, innerhalb kürzester Zeit 4 verschiedene Fahnen zu 4 verschiedenen Burg-Symbolen zu reiten.

Der 11. Internationale Eppaner Burgenritt endet hier mit einem feierlichen Festbetrieb, der Prämierung der Tages- und Gesamtsieger.